Bei beglaubigten Übersetzungen muss man aufpassen, dass Namen richtig übertragen werden.

Eigennamen kommen in ganz verschiedenen Texttypen vor, sei es ein literarisches Werk, eine öffentliche Urkunde, ein Zeitungsartikel oder eine Bedienungsanleitung. Behandelt werden sie bei der Übersetzung auch unterschiedlich, je nach dem Ziel des konkreten Textes. Welche Möglichkeiten gibt es, um Eigennamen zu übersetzen?

Transkription, Transliteration, Lehnübersetzung

Fremdwörter kann man in einer anderen Sprache auf unterschiedliche Weise darstellen. Zum einen kann man das Wort so aufschreiben, wie man es hört — das funktioniert auch bei Eigennamen. Ein Schneider wird somit zum Шнайдер, aus Москва wird Moskwa und aus Heilbronn wird Хайльбронн. Das nennt sich Trankription, oft wird sie für geographische Namen verwendet wie z. B. Orts-, Fluss- oder etwa Straßennamen. Für viele Sprachpaare gibt es festgelegte Regeln, wie die Transkription durchzuführen ist. Die Transkription folgt nicht unbedingt der genauen Schreibweise in der Ausgangssprache und gibt nicht immer die genaue Aussprache wieder, im Gegensatz zur Lautschrift.

Einen anderen Ansatz stellt die Transliteration dar. Dabei werden Buchstaben in einer Schrift eins zu eins in eine andere Schrift übertragen — ungeachtet der Rechtschreibung und Aussprache. Die Transliteration nutzt man oft in der Wissenschaft und in den Bibliotheken, um Buchtitel und Autorennamen originalgetreu wiederzugeben. Für die Transliteration wurden internationale Normen entwickelt, wie etwa ISO 9 für die Transliteration aus der kyrillischen in die lateinische Schrift. Demnach schreibt sich der Name des berühmten Komponisten Чайковский als Čajkovskij, aus Щукин wird Ŝukin und der Name des russischen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten Юрий Щекочихин lässt sich nach ISO 9 als Ûrij Ŝekočihin übertragen (transkribiert ins Deutsche sieht der Name Juri Schtschekotschichin aus). Den Ansatz übernahmen auch die deutschen Behörden, sodass die Angabe einer Transliteration der Personennamen nach den ISO-Normen bei der beglaubigten Urkundenübersetzung faktisch zur Pflicht wurde.

Bei Lehnübersetzungen zersetzt man Wörter praktisch in ihre Einzelteile, die sogenannten Morphemen, und diese Teile werden einzeln übersetzt. Viele Wörter aus dem Alltagsvokabular sind eigentlich Lehnübersetzungen: Fernsehen (engl. television), Wolkenkratzer (engl. skyscraper), Selbstbewusstsein (engl. self-consciousness), Großmutter und Großvater (franz. grand-mère und grand-père). Manchmal entstehen im Laufe der Geschichte auf diese Art übersetzte Ortsnamen in verschiedenen Sprachen. Die bayerische Hauptstadt München heißt beispielsweise auf Tschechisch Mnichov (wörtlich »Mönchen«-Stadt). Verwaltungseinheiten der höheren Ebene werden öfters durch Lehnübersetzungen übertragen, wie zum Beispiel Niedersachsen, das auf Russisch Нижняя Саксония und auf Englisch Lower Saxony heißt.

Für viele Orte gibt es auch anders entstandene fremdsprachliche Bezeichnungen. Solche fremdsprachige Namen nennt man Exonymen. Zu erwähnen sind hier Mainz (Mohuč auf Tschechisch, Moguncja auf Polnisch), Moskau (Москва/Moskwa auf Russisch), Aachen (Aix-la-Chapelle auf Französisch), Warschau (Warszawa auf Polnisch).

Namen im amtlichen Dokument — buchstabengenau übertragen. Auch mit anderem Alphabet?

Vielen Menschen, die mit anderen Schriften außer der lateinischen nicht mal in Berührung kommen, ist es oft nicht bewusst, dass man Wörter und auch Eigennamen je nach der Übertragungsart unterschiedlich wiedergeben kann. Handelt es sich um ein offizielles Dokument, muss aber die Sache ganz klar sein. Namen sind Namen, sie dürfen nicht geändert werden! Größtenteils stimmt das tatsächlich, wie aber oben schon gezeigt, kann ein und derselbe Name unterschiedlich geschrieben werden.

Die Übertragung von Personennamen muss bei der Übersetzung mit anderen bereits existierenden Dokumenten in der Zielsprache übereinstimmen — meistens muss dafür der Kunde dem Übersetzer die Schreibweise seines Vor- und Nachnamens aus dem Reisepass mitteilen. Ist keine Schreibweise bekannt, weil z. B. die Person keinen Reisepass besitzt bzw. besaß, sollte man dem Übersetzer keine Selbstkreationen schreiben. Kleine Randnotiz: Die in Russland üblichen Vatersnamen werden in Reisepässen nicht in die Lateinschrift umgeschrieben, außerdem ist das Konzept von Patronymen in vielen anderen europäischen Kulturen unbekannt. Daher braucht der Kunde meistens den Vatersnamen nicht selbst zu übersetzen. Neben der Schreibweise nach dem Reisepass wird auch die Transliteration nach der ISO-Norm angegeben. Für geographische Namen ist es üblich, die gängigen Ortsbezeichnungen in der Zielsprache zu übernehmen. Ist der Ort eher klein oder dem Zielpublikum weniger bekannt, wird der Name in der Regel transkribiert.

Wenn Sie Ihre Unterlagen bei mir übersetzen lassen, können Sie sicher sein, dass ich mit den Namen in der Übersetzung Ihrer Unterlagen sorgfältig und sachgerecht umgehe. Sie müssen mir nur noch Ihre Dokumente zuschicken und die gültige Schreibweise der Namen mitteilen.

Bild: Julian Nyča / wikimedia.org, Creative Commons Licence

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